Institut für Wirtschaftspädagogik
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Technologiebasierte Kompetenzmessung in der beruflichen Bildung (ASCOT) Large Scale-Assessments in der kaufmännischen Berufsbildung – Intrapreneurship

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Projektlaufzeit: 2011 - 2015

Kurzbeschreibung:


Ausgangssituation und Ziele:

Unternehmen sehen in zunehmendem Maße – das gilt national wie international – im innovativen unternehmerischen Denken und Handeln, d.h. in der Intrapreneurship (IP) ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, den Schlüssel zum erfolgreichen Bestehen im Innovationswettbewerb und verankern IP daher in ihrem Leitbild. Die für die Ausbildung von Industriekaufleuten verantwortlichen „vier Bänke“ (KMK, 1972: Gemeinsames Ergebnisprotokoll) sehen das ebenso und haben „IP“ deshalb 2002 als Lernfeld 12 in den Lehrplan für die Berufsschule für Industriekaufleute aufgenommen, als Teil der betrieblichen Ausbildung vorgesehen und zugleich thematisch in der Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer verankert. Als Evidenz zur Beurteilung der Leistung sollen die Auszubildenden „zeigen, dass er/sie komplexe Fachaufgaben und ganzheitliche Geschäftsprozesse beherrscht und Problemlösungen in der Praxis erarbeiten kann“ (BMJV: § 9 der Ausbildungsordnung, 2002, S. 2766). Dabei hat der Ausbildungsbetrieb zu bestätigen, dass die Fachaufgabe von den Auszubildenden im Betrieb selbständig durchgeführt worden ist (S. 2766). Berichte aus der Praxis sowie systematische Analysen (Stellenanzeigen, Interviews mit Ausbildungsverantwortlichen, Analysen von Projektberichten im Rahmen der IHK-Abschlussprüfungen etc.) verdeutlichen, dass IP-Fähigkeiten explizit an kaufmännischen Arbeitsplätzen eingefordert werden. Das Institut für Wirtschaftspädagogik hat sich angesichts dieser ökonomischen wie auch ausbildungsbezogenen Bedeutung das Ziel gesetzt, Kompetenzen zu modellieren und zu messen, mit deren Hilfe das Ausbildungsziel „IP“ angemessen valide und reliabel abgebildet werden kann. Aus einer lehr-lern-theoretischen Perspektive stellen sich damit Fragen zu dessen curricularer Operationalisierung sowie zu Möglichkeiten seiner Vermittlung und des Assessments. Beobachtungen und Analysen der derzeitigen Berufsausbildungspraxis zeigen, dass zwar viele innovative Projekte initiiert und umgesetzt werden, es aber an stringent operationalisierten Lehrzielen fehlt und die darauf bezogenen Assessments daher eher im Sinne von ‘Alltags-Assessments’ erfolgen. (Weber, Wiethe-Körprich, Bley, Weiß & Achtenhagen, 2015). Ziel ist es, ein modellgeleitetes Assessment-Instrumentarium zu entwickeln, das es erlaubt, „kreatives, innovatives Denken und Handeln in unternehmerischen Kontexten” kompetenzorientiert reliabel und valide zu messen.

 

Vorgehensweise:

In einem ersten Schritt erfolgten die theoretische Verankerung sowie die Modellierung des Lehrziels „kreatives, innovatives Denken und Handeln“ als „IP-Kompetenz“ in Anlehnung an die betriebswirtschaftliche und lehr-lern-theoretische Literatur sowie an den internationalen Stand zu Assessment-Strategien. Grundlage ist eine theorie- und praxisbasierte intensive Domänenanalyse (Weber, Trost, Wiethe-Körprich, Weiß & Achtenhagen, 2014; Wiethe-Körprich, Weber, Bley & Kreuzer, 2017). Diese Analyse legt zugleich die Basis für die Konstruktion technologiebasierter Testaufgaben (Bley, Wiethe-Körprich & Weber, 2015). In einem zweiten Schritt wurden die Testitems zur IP-Kompetenz zunächst im Rahmen eines Pre-Tests anhand einer querschnittlichen ad hoc-Stichprobe getestet (Weber, Wiethe-Körprich, Bley, Weiß, Draxler & Gürer, 2016). In einem dritten Schritt wurde der Haupttest dann als Testlet-Design mit 58 Variationen im Verbundprojekt (CoBALIT) als deutschlandweite Erhebung administriert (N=906) (Weber, Draxler, Bley, Wiethe-Körprich, Weiß & Gürer, 2016). Diese deutschlandweite Erhebung fand bei Industriekaufleuten am Ende ihrer Ausbildung statt. Ziel der Hauptstudie war es, das im Pre-Test theoriegeleitet entwickelte Instrument zur Messung von IP-Kompetenz auf eine breite Basis zu stellen und damit einen ersten Schritt der Generalisierung zu gehen.

 

Ergebnisse:

Auf einer derartigen Basis lassen sich Ausbildungsleistungen (wie hier das latente Konstrukt: IP-Kompetenz) theorie- und evidenz-basiert reliabel und valide messen und damit die Triade von Curriculum – Instruktion - Assessment stringent für eine effiziente und effektive Lernförderung realisieren.

 

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Wiethe-Körprich, M., Weber, S., Bley, S., & Kreuzer, C. (2017). Intrapreneurship Competence as a Manifestation of Work Agency: A Systematic Literature Review. In M. Goller & S. Paloniemi (Eds.), Agency at Work (pp. 37-65). Cham: Springer.
  • Weber, S., Beck, K., & Köller, O. (2016). Potentiale in der beruflichen Bildung sichtbar machen. Unterrichtswissenschaft, 44(2), 106-113.
  • Weber, C., Draxler, C., Bley, S., Wiethe-Körprich, M., Weiß, C., & Gürer, C. (2016). Large Scale-Assessments in der kaufmännischen Berufsbildung – Intrapreneurship (CoBALIT). In K. Beck, M. Landenberger & F. Oser (Hrsg.), Technologiebasierte Kompetenzmessung in der beruflichen Bildung (S. 75-92). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Weber, S., Wiethe-Körprich, M., Bley, S., Weiß, C., Draxler, C., & Gürer, C. (2016). Modellierung und Validierung eines Intrapreneurship-Kompetenz-Modells bei Industriekaufleuten. Unterrichtswissenschaft, 44(2), 149-168.
  • Weber, S., Wiethe-Körprich, M., Bley, S., Weiß, C., & Achtenhagen, F. (2015). Intrapreneurship-Verhalten an kaufmännischen Arbeitsplätzen – Analysen von Projektberichten. Empirische Pädagogik, 28(1), 84-105.
  • Bley, S., Wiethe-Körprich, M. & Weber, S. (2015). Formen kognitiver Belastung bei der Bewältigung technologiebasierter authentischer Testaufgaben – eine Validierungsstudie zur Abbildung von beruflicher-Kompetenz. Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 111(2), 268-294.
  • Weber, S., Trost, S., Wiethe-Körprich, M., Weiß, C., & Achtenhagen, F. (2014). Intrapreneur: An Entrepreneur Within a Company - An Approach on Modelling and Measuring Intrapreneurship Competence. In S. Weber, F. K. Oser, F. Achtenhagen, M. Fretschner & S. Trost (Eds.), Becoming an Entrepreneur (pp. 279-304). Rotterdam, Boston, Taipei: Sense Publishers.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Susanne Weber
Institut für Wirtschaftspädagogik
Munich School of Management
Ludwig-Maximilians-Universität München